13 July 2008 | 2008

Abheben wie Marcel Ospel und Rolf Hüppi

Was noch bis vor kurzem als Dekadenz einer Elite galt, gibts jetzt für jedermann: Flüge in einem bequemen Privatjet – etwa zum Preis eines 1.-Klass-Tickets der Swiss.


Die Idee ist bestechend einfach. Der in Genf wohnhafte Emeric Segard hat vor zwei Monaten die weltweit erste Last-Minute-Börse für leere Sitzplätze in Businessjets gegründet. Für die Betreiber der Flieger ist dies eine interessante Möglichkeit, ihre teuren Leerflüge we-nigstens teilweise kostendeckend zu vermarkten.

Für die Passagiere ist es die bisher einzige Gelegenheit, für einen relativ bescheidenen Betrag wenigstens einmal so komfortabel zu reisen, wie dies die grossen Wirtschaftskapitäne tun.


Vor ein paar Jahren sorgten die Businessflieger der Wirtschaftskapitäne Rolf Hüppi und Marcel Ospel für Schlagzeilen und galten als Inbegriff der Dekadenz der Elite. Doch nun fällt auch noch die letzte Bastion der Superreichen: das Fliegen im Privatjet.

Das Geschäft von Lunajets.com scheint zu florieren. Auf ihrer Firmenwebsite www.lunajets.com sind jedenfalls Dutzende von Flügen weltweit zu erwerben. Ein Europaflug ist ab 890 Euro pro Sitzplatz erhältlich. Und so lockt beispielsweise ein standesgemässer Trip von Genf nach St-Tropez für 890 Euro.


Langstreckenflüge sind nur im Paket zu kaufen. Segard: «Für Transatlantikflüge verkaufen wir die ganze Kabine, weil der relativ lange Flug mit wildfremden Passagieren etwas problematisch sein könnte.» Kostenpunkt für zehn Plätze von Genf nach New York: 30 000 Euro. Für 50 000 Euro gibts eine Kabine nach Las Vegas.


Wenn man die Kabine füllt, dann kommen die Tarife auf ein Niveau, das sich durchaus mit der Businessclass der Swiss vergleichen lässt. Ein Beispiel: Ab Genf kostet ein Flug mit der Swiss nach New York in dieser Kategorie etwa 3200 Franken, erste Klasse sogar 6500 Franken.

Wer nützt die Last-Minute-Businessjets? Segard: «Bisher sind es Geschäftsleute, die lieber mit uns fliegen als in der Businessclass der grossen Fluggesellschaften. Wir hoffen aber, dass bald auch Ferienreisende dieses Angebot nutzen.» Im Freizeitbereich bietet Lunajets einzig Flüge an Formel-1-Rennen an.


Denkbar seien zukünftig aber auch Hochzeitsgesellschaften und Firmenausflüge. Bisher sind die meisten Flüge ab der Schweiz von Genf aus. Doch in Bälde will Segard auch vermehrt Angebote von Zürich und Basel aus machen. Hinzu kommen Flüge zwischen internationalen Des-tinationen. Zu buchen ist der Businessjet ganz einfach über das Internet. (mz/owa)